Als ich in diesem Sommer für einen Tagesausflug Helgoland besuchte, fragte ich mich beim Einlaufen der Fähre, was denn an diesem 1 km² großen Stück Felsen mit ein paar Schafen und Stränden denn so besonders ist.

Neben der Geschichte der Insel (die Deutschen tauschten Sie Ende des 19.Jhd. mit den Engländern gegen ein Stück von Sansibar – heute würde man das als „think global, act local“ bezeichnen), ist das Besondere an der Insel heute, ihr nationales Alleinstellungsmerkmal als einzige Hochseeinsel Deutschlands.

Hunderttausende Tagesgäste decken sich jährlich  zollfrei mit Zigaretten, Parfüm und Spirituosen ein; die Überfahrt über die teils raue Nordsee dauert bis zu 2h und nach dem Einkauf bleibt bis zur Abfahrt der Fähre gerade noch genug Zeit, um den gebeutelten Landratten-Magen mit Reisetabletten auf die Rückfahrt vorzubereiten.

Die Inselbewohner haben sich im Laufe der Zeit darauf eingestellt und so reiht sich ein Duty-Free-Shop an den anderen.

„Was sollen die auch sonst machen“ könnte man denken!!

Keine Ahnung, welche Alternativen es gäbe; für mich ist es vor allem ein sehr gutes Beispiel, wie Alleinstellungsmerkmale auf den Markt wirken.

Dank dem Zwischenstopp in der Apotheke konnte ich auf der Rückfahrt sogar etwas lesen :

Wendelin Wiedeking, der Vorstandsvorsitzende der Porsche AG vertritt in seinem kurzweiligen und empfehlenswertenwerten Buch „Anders ist besser“ (Piper-Verlag) einige sehr interessante Thesen am Beispiel seiner 15 jährigen Tätigkeit für Porsche.

„Nur wer anders ist, fällt auf, zumal, wenn er klein ist“

ist eine seiner Kernthesen.

Er beschreibt, wie er in seiner Amtszeit mit recht ungewöhnlichen Maßnahmen und „gegen den Strom“ einen kleinen, kränkelnden Sportwagenbauer zu einem der profitabelsten  Automobilunternehmen weltweit geführt hat.

„Zunächst wurden wir dabei nur von dem Motiv getrieben, die Existenz des Unternehmens zu sichern“ und „um dorthin zu kommen, wo Porsche heute steht, haben wir häufig die ausgetretenen Pfade verlassen, auf denen mancher unserer Wettbewerber wandelt, und unseren eigenen, nicht immer bequemen Weg gebahnt“ schreibt er.

Darüber hinaus stellt er fest, dass seine Strategie zum Überleben auch für andere Branchen  – evtl. sogar gesamtwirtschaftlich – als Erfolgsmodell taugt.

„Was hat Porsche denn mit Helgoland zu tun, da dürfen doch nicht mal Fahrräder fahren??“ werden Sie sich fragen.

Für mich liegt die wesentliche Gemeinsamkeit in dem Umsetzen einer Strategie, die auf  der konsequenten Ausnutzung von Alleinstellungsmerkmalen (des Unternehmens, des Standorts, der Marktbedingungen etc.) basiert.

 

Ich denke, der ein oder andere unter den Lesern, wird sich bei Wiedekings Zitaten an eigene Erlebnisse aus der Vergangenheit erinnert sehen.

Den „Bogen“ zur Gerüstbaubranche allgemein, mit Ihren spezifischen Randbedingungen spannen meiner Meinung nach Fragen wie:

 

  • Was kann ich (mein Unternehmen) besser als die Mitbewerber?
  • Was denken die Mitarbeiter über unsere Stärken ?
  • Welche sind unsere „harten“ Alleinstellungsmerkmale (Material, Fuhrpark, Personal; konstruktiv, organisatorisch,  )  ?
  • Wie deutlich kommunizieren wir das nach Außen?
  • Nehmen unsere Kunden unsere „Stärken“ war?; (Stichwort: was „hört“, was „sieht“, was „fühlt“ der Markt)?
  • Nutzen wir unsere Stärken durch eine entsprechende Angebotspolitik?
  • Tue ich (wir als Unternehmen) lediglich was alle am Markt tun – wo genau liegen die Unterschiede?

 

Die kritische Auseinandersetzung mit solchen Fragen ist die Grundlage für die Erarbeitung einer Strategie, die dazu führt, dass sich jedes Unternehmen „seinen Markt“ sucht; eine Nische in der mit auskömmlichen Preisen und ohne „Rabattschlachten“, die Zukunft des eigenen Unternehmens zu sichern ist.

 

Da dies die letzte Ausgabe für 2007 ist, wünsche ich Ihnen an dieser Stelle bereits jetzt den Mut zur Veränderung und ein sowohl erfolgreiches als auch entspanntes Jahr 2008.

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