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Bankenkrise, Eurokrise, Flüchtlingskrise…..Ich persönlich habe mich an die Krise als Dauerzustand mittlerweile gewöhnt. Allerdings scheint kein Thema die Gemüter mehr zu erhitzen wie das aktuelle Flüchtlingsthema, bei dem die aktuelle Stimmung tendenziell die Risiken beleuchtet und thematisiert.

 

Gerade wir, in der Baubranche sollten da genauer hinsehen, denn wie immer gibt es unterschiedliche Perspektiven aus denen man das Thema betrachten kann.

 

Der Immobilienmarkt in Deutschland boomt angesichts der Mini-Zinsen ohnehin seit Jahren, vor allem in Großstädten. Durch den Zustrom von gut einer Million Flüchtlingen allein in diesem Jahr ändert sich die Lage noch einmal massiv. Die Nachfrage der Kommunen und Länder wirkt dabei wie ein Turbo für die Branche – zumal weitere Schutzsuchende aus Syrien und anderen Ländern nach Europa drängen.

Um der größeren Nachfrage gerecht zu werden, will die öffentliche Hand den sozialen Wohnungsbau bis 2019 mit über vier Milliarden Euro fördern – doppelt so viel wie bisher geplant. Zudem will die Bundesregierung den Neubau von Mietwohnungen in Städten mit besonders angespannter Wohnsituation in den nächsten drei Jahren mit Steuervergünstigungen ankurbeln.

Vor allem schnell zu errichtende Modularbauten werden nachgefragt. Die Bauten rücken für die Container nach, die überall im Land genutzt werden. Da es Container mittlerweile nicht mehr am Markt gibt, werden jetzt vermehrt Unterkünfte in Systembauweise bereitgestellt. Weil die Nachfrage derart groß ist, kann die Baubranche selbstbewusst auftreten und Forderungen stellen. Unter anderem sollen nach Wunsch der Verbände bei den Neubauten Baunormen hintenan gestellt werden und auf umständliche Ausschreibungspraktiken sollte ebenfalls verzichtet werden.

Zuwanderung „bitter nötig“

Über kurz oder lang wird der Bau-Boom die Branche jedoch vor die Frage stellen, ob genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Die demografische Entwicklung  macht der Wirtschaft große Sorgen, denn unter demografischen Aspekten haben wir die Zuwanderung bitter nötig. Man kann die ankommenden Flüchtlinge als große Chance ansehen – vor allem für die Wirtschaft.

Ein Großteil der Flüchtlinge kann als „mittelbar qualifizierbar“ angesehen  und  in einem überschaubaren Zeitraum in den Arbeitsmarkt integriert werden. 30 Prozent der Angekommenen sind unter 18 Jahre alt und vielen jungen Menschen muss man mit unserem System der dualen Berufsausbildung bekannt machen – ein geeignetes Mittel, um Fachkräfte für die Zukunft zu gewinnen.

Engagement der Betriebe ist alternativlos

Fallstricke sehe ich bei der Arbeitsmarktintegration. Denn zuallererst müssen ausreichende Sprachkenntnisse vorhanden sein.

Zum Teil warten die Leute aber bis zu 15 Monate, bis sie an einem Sprachkurs teilnehmen können. Darüber hinaus reichten die Kenntnisse, die sie in den Kursen erlangen, meist nicht für den Arbeitsmarkt aus. Einige Initiativen zahlen  jungen Flüchtlingen, die eine Ausbildung machen wollen, einen weitergehenden Sprachkurs – eine Investition, die sich später auszahlen soll. Der Erfolg solcher Maßnahmen hängt allerdings auch an der Bereitschaft der Unternehmen, sich zu engagieren. Denn „learning by doing“ gilt nicht nur für handwerkliche Tätigkeiten, sondern auch für das Erlernen der Sprache!

Aus den Erfahrungen mit der Flüchtlingswelle des Balkankrieges  in den 90er Jahren können wir dahingehend lernen, dass eine Kombination aus der Bereitstellung von Wohnraum UND einer Ausbildungsmöglichkeit dazu führt, dass Integration gelingen kann. Das aus Fremden Kollegen und langfristig auch wertvolle Mitglieder der Gesellschaft  werden.

Wunschdenken?

Mohed Altrad, der Mann, der nicht weiß, wann genau er  geboren wurde, kam 1972 nach Europa, übernahm anfang des Jahrtausends die ehemalige plattac AG und beschäftigte 2015 weltweit 17.000 Mitarbeiter – Tendenz steigend;

Der Mann aus der syrischen Steppe hat die französische Sprache erlernt, studiert, promoviert und ist dann erfolgreicher Unternehmer in der Baubranche (z.B. „Weltmarktführer bei Schubkarren“) geworden…. Ein gutes, wenn ggf auch seltenes Beispiel!

Wenn allerdings nur 1,7% der Flüchtlinge eine ähnliche Karriere hinlegt, bezahlt sich die Krise von alleine – theoretisch zumindestJ!Fakt ist: Unsere Gesellschaft ändert sich – ob das dem Einzelnen gefällt oder nicht!

Die Frage ist: „Ist jeder von uns in der Lage sich ebenso schnell mit zu verändern – oder halten wir an Überzeugungen fest, die schon längst der Vergangenheit angehören sollten?

Die aktuellen Rahmenbedingungen bieten für Handwerksbetriebe aus der Baubranche allerdings aktuell deutlich mehr Chancen als Risiken – also tun wir was!

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